Das UNION-Areal – Ein Ort voll Haltung zur Inspiration, mehr als eine Adresse, ein erfüllbarer Sehnsuchtsort, wo Träume fliegen (dürfen) und Hoffnung landet. (*psst – Das liegt am Kind in uns, das Halt sucht. Hereinspaziert!)

Wer es nicht entdeckt, verpasst mehr als ein außergewöhnliches Immobilienprojekt am Fuße der Hanauer Landstraße, das steinerne Herz des Ostends. Und wer hat’s erfunden? Mehr als ein Mann, ein Wort – ein Mann der Tat:
Ardi Goldman, der Geschäftsmann mit Tiefgang, der trotz großer Stärke selbst preisgibt:
„Weil die See oft rau ist, braucht einer wie ich Freunde, die zu ihm stehen und Weggefährten.“ – Ardi Goldman
Dieses Zitat steht in keinem Geschäftsbericht, sondern im aktuellen Magazin mit Titel REVOLUTION – Die Kunst der Unionität® geschrieben über mehr als sein Leben; Haltung, die Verhalten formt und seinen Ort, der keines Gleichen sucht, weil allein für sich steht, um zu bleiben – unvergleichlich.
Revolution. Steckt drin: Union. Und Ion – das geladene Teilchen, das Bindung sucht
Willkommen im Uniongelände, ruft jedes Exponat Richtung Mensch, dem Empfindsamen, einladend, bestaunt zu werden. Denn ein prachtvoller, ein öffentlicher, frei zugänglicher Raum zur Expedition mitten in Frankfurt wurde hier geschaffen. Besucher betreten dort Spuren einer abenteuerlichen Reise zu sich selbst und den anderen. Wer bin ich und Du? Wer sind wir gestern, heute und morgen? Das frage ich mich, die den Fotografen Ernst Stratmann auf das Gelände geführt hat, aber heute ihn fotografiert. Ein Gefühl sagte mir, los, Anja, folge Deinem Herzen. Gottesvertrauen lenkte mich. Ich wusste, ich würde dort mindestens eine Geschichte auf der Straße finden, die zur Zeit, zum Leben und raumfüllend in dieses noch kleine Internet House™ passt.
Zwei Männer. Eine Erfahrung
Ardi Goldman wurde 1962 in Frankfurt geboren als Sohn eines Mannes, der das Warschauer Ghetto und das Konzentrationslager Buchenwald überlebt hatte. Sein Vater hatte es bis ins Frankfurt der 50er Jahre geschafft, eine Familie gegründet, ein kleines Unternehmen aufgebaut.
Dann kam 1967.
Ein Lastwagenanhänger prallte ungebremst in den Familienwagen. Vater, Mutter, zwei Schwestern – alles verloren. Ardi Goldman überlebte als Einziger. Überlebenschance: fünf Prozent. Er schreibt darüber so:
„Mein Gefühl ist nicht rückwärtsgewandt, denn genauso stark wie die Sehnsucht nach der Zeit der 68er ist auch die Sehnsucht des Aufbruchs.“ – Ardi Goldman
Aus dieser Erfahrung hat er nicht Bitterkeit gelernt. Er hat das Uniongelände gebaut. Einen Parcours des Widerstands mit 118 Geschichten über Menschen, die über sich selbst hinausgewachsen sind. Einen Skulpturenpark. Eine kleine Stadt in der Stadt. Sowie ein Magazin, das mit Hermann Hesse zitiert:
„Und allem Weh zum Trotze bleib ich verliebt in die verrückte Welt.“ – Hermann Hesse
Ernst Stratmann kennt dieses Gefühl. Auch er kennt Phasen, in denen der Boden fehlt. Und die Entscheidung, trotzdem weiterzugehen.
Der Astronaut

Ernst Stratmann, der alte Science-Fiction-Fan, neben einem Neon-Astronauten vor Betonwand, – ein Hingucker im grauen Licht. Eine Gegenüberstellung, die man kaum erklären muss, kennt man ihn, der gerne von den Sternen träumt, als könne man solche alleine mit reichlich Fantasie erreichen. Mit beiden Füßen doch auf dem Boden geblieben, hält er sich an seiner geliebten Kamera fest – ihm lieber als ein Raumschiff.
Der Münzfernsprecher

Ein alter Münzfernsprecher, irgendwo zwischen zwei Gebäuden. Man greift zum Hörer. Sogar ohne Geld spielt die Musik. Du darfst Dich für einen Song entscheiden. Nur welchen? Alle! Ob „Durch die schweren Zeiten“ von Udo Lindenberg, „That’s Life“ von Harald Junke, „Freiheit“ von Westernhagen, oder „Der letzte Song (alles wird gut)“ von Kummer. Welch ein Spiel mit Tiefsinn über Musik und inhaltlichen Wert unbezahlbar. Herr Goldman vermittelt freie Kunst als Ort der Begegnung mit lebensklugen Themen und buchstäblich zum Anfassen. Um mit kostbaren Gedanken der Hoffnung zu arbeiten, sich daran zu laben.

HOPE
Leuchtend grün, an einer Backsteinwand. Ernst steht davor, von hinten, die Arme erhoben. Fast wie ein Gebet. Fast wie eine Kapitulation. Fast wie beides gleichzeitig.
Der Parcours des Widerstands erzählt von 118 Menschen, die in Momenten extremer Not nicht weggeschaut haben. Irena Sendler ist eine von ihnen.
Von der Magie des Zufalls

Nach dem Rundgang: Ernst schlürfte einen Cappuccino. Vor mir das Union-Magazin. Ich blätterte von Seite zu Seite, bis mein Finger das Papier stoppte. Roland Barthes würde es Punctum nennen.
Worte von Irena Sendler sprangen mir förmlich in die Augen:
„Ich habe schon als Kind gelernt, dass man Ertrinkende retten muss.“ – Irena Sendler
Denn ich sitze einem Mann gegenüber, der nie schwimmen gelernt hat, wirklich nicht. Ist es jetzt zu spät? Ist es jemals zu spät dafür? Daran will ich nicht glauben, sondern Teil davon werden, das Unmögliche möglich zu machen.
Irena Sendler lebte Heldenmut vor. Während der deutschen Besatzung Warschaus schmuggelte sie über 2.500 jüdische Kinder aus dem Ghetto. Mit gefälschten Papieren, mit List, mit dem Risiko ihres Lebens. Sie hat nicht gewartet bis jemand sie bat.
Ardi Goldman trägt diese Geschichte in sich – durch seinen Vater, durch seine eigene Biografie. Er hat sie in Stein gemeißelt, in Licht gesetzt, in Architektur und Kunstausstellung zugleich verwandelt. Chapeau. Kein Zufall. Fügung. Sinn und Bestimmung.
Das Messer. Die Wunde. Der Unterschied.

„Wenn man sich geschnitten hat, soll man das Messer verbinden, nicht die Wunde.“ – Joseph Beuys
Ernst weist mit dem Finger darauf … dieser Satz beschreibt einen Fehler, den viele machen – in der Medizin, in der Politik, im Umgang mit Menschen in Krisen. Die Oberfläche behandeln. Das Symptom bekämpfen. Den Schmerz verwalten.
Ardi Goldman hat einen anderen Weg gewählt, hat nicht die Trauer verwaltet, sondern gebaut, gesammelt, erinnert, gefeiert.
Unionität
Vor meinem Besuch des UNION-Areals war ich oft Gast als einst Live-Bands im Fortuna Irgendwo gastierten, leider blind für die Kunst, die das Tanzhaus „für Gemüts- und Nervenpatienten“ umgibt – bis gestern.
Manchmal braucht es wohl einen Anruf von außen, um nach innen zu gucken, in dem Fall ins Herz des Ostends, zwischen Straße der Nationen und Anielewicz Platz. Dankeschön Ardi Goldman – Kunst und Kultur Stiftung für diese kulturelle Infrastruktur für Menschen zwischen rauer See und Wunsch, Weggefährten zu treffen, welche ihnen die Hand reichen.
Das Uniongelände zeigt: Du – Wir – sind nicht allein. Verbunden. Sehen wir hin.
Ausblick
Wir werden wiederkommen – wieder mit Kamera, mit Fragen, zum Cappuccino. Ich bin überzeugt dieser Artikel markiert den Anfang einer kleinen feinen Serie über das UNION-Areal.
Ich verstehe nun:
Das Uniongelände hat mehr zu erzählen.

